Was beschäftigt die Logen heute, welche Veränderungen sind notwendig und welche Traditionen verdienen es, bewahrt zu werden? Eine neue monatliche Veranstaltungsreihe soll den Austausch über unterschiedliche freimaurerische Auffassungen hinweg fördern.
Das Projekt Freie Maurer setzt seine Online-Veranstaltungen fort. Ab November 2026 soll jeden Monat ein sogenanntes Videonar stattfinden, das sich mit aktuellen Fragen der Freimaurerei beschäftigt. Die Veranstaltungen richten sich an Mitglieder regulärer und liberaler Logen sowie an interessierte Außenstehende.
Der Schwerpunkt liegt auf Themen, die für die Zukunft der Logen von Bedeutung sind. Dazu gehören der Umgang mit Traditionen und Reformen, die Gewinnung und Bindung von Mitgliedern sowie die Frage, wie sich freimaurerische Arbeit mit den gesellschaftlichen und persönlichen Lebensbedingungen der Gegenwart vereinbaren lässt.
Unterschiedliche Traditionen, ähnliche Herausforderungen
Die freimaurerische Landschaft ist vielfältig. Reguläre und liberale Obödienzen unterscheiden sich in grundlegenden Auffassungen, etwa hinsichtlich religiöser Voraussetzungen, der Mitgliedschaft oder des gegenseitigen Anerkennungsverhältnisses.
Dennoch gibt es Herausforderungen, die über solche Grenzen hinausreichen. Dazu zählen die langfristige Entwicklung der Mitgliederzahlen, die Attraktivität der Logenarbeit, der Umgang mit begrenzten zeitlichen Ressourcen und die Frage, welche Formen freimaurerischer Gemeinschaft auch künftig Menschen ansprechen.
Für diese Fragen gibt es keine einheitlichen Antworten. Was in einer Loge als notwendige Weiterentwicklung gilt, kann in einer anderen als Verlust wesentlicher Traditionen verstanden werden. Gerade deshalb kann der Austausch unterschiedlicher Erfahrungen hilfreich sein – vorausgesetzt, er dient nicht nur der Bestätigung bereits vorhandener Überzeugungen.
Ein Format mit niedriger Teilnahmehürde
Die Freien Maurer verwenden für ihre Veranstaltungen die Bezeichnung „Videonar“. Gemeint ist ein Online-Meeting, das sowohl die klassische Teilnahme mit Kamera und Mikrofon als auch eine zurückhaltende Beteiligung ermöglicht.
Die Teilnehmer können ihre Kamera und ihr Mikrofon ausgeschaltet lassen und Fragen oder Kommentare über eine Chatfunktion einbringen. Diese werden vom Moderator im Gespräch aufgegriffen. Auch der angezeigte Teilnehmername lässt sich ändern, sodass eine Teilnahme unter einem selbst gewählten Namen möglich ist.
Gerade bei freimaurerischen Themen kann diese Möglichkeit von Bedeutung sein. Nicht jeder möchte seine persönlichen Auffassungen zu inneren Angelegenheiten der Freimaurerei öffentlich mit seinem Namen verbinden. Das gilt insbesondere dann, wenn es um Kritik an bestehenden Strukturen, unterschiedliche Vorstellungen von Reformen oder persönliche Erfahrungen innerhalb einer Loge geht.
Eine Teilnahme unter einem Pseudonym bedeutet allerdings nicht zwangsläufig vollständige technische Anonymität. Sie ermöglicht zunächst, gegenüber anderen Teilnehmern diskret aufzutreten.
Impuls statt Frontalvortrag
Die Veranstaltungen beginnen mit einem vorbereiteten Videobeitrag von maximal zehn Minuten. Er soll das jeweilige Thema umreißen und Anregungen für die anschließende Diskussion liefern. Fragen können bereits während der Einführung über den Chat gestellt werden.
Damit liegt der Schwerpunkt nicht auf längeren Referaten, sondern auf der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven. Die Qualität eines solchen Formats wird sich vor allem daran messen lassen, ob auch kritische oder abweichende Auffassungen tatsächlich Raum erhalten.
Die Initiative geht vom Projekt Freie Maurer aus, das sich für eine zeitgemäße Weiterentwicklung der Freimaurerei einsetzt. Die Veranstaltungen sind jedoch nicht ausschließlich auf dessen eigene Vorstellungen ausgerichtet. Vielmehr sollen auch Erfahrungen und Lösungsansätze aus bestehenden regulären und liberalen Logen zur Sprache kommen.
Beginn am 6. November
Das nächste Videonar findet am Freitag, 6. November 2026, statt und bildet den Auftakt zur wiederaufgenommenen monatlichen Veranstaltungsreihe.
Ob aus solchen Gesprächen konkrete Anregungen für die Logenarbeit entstehen, hängt nicht zuletzt von der Vielfalt der Teilnehmer und ihrer Bereitschaft zum offenen Austausch ab. Eine Diskussion über die Zukunft der Freimaurerei kann jedenfalls dort besonders interessant werden, wo unterschiedliche Auffassungen nicht als Hindernis, sondern als Ausgangspunkt für neue Überlegungen verstanden werden.
Informationen zur Teilnahme und zu den kommenden Themen veröffentlicht das Projekt auf freie-maurer.de.






