Freimaurerei als soziales System: Klaus-Jürgen Grün spricht in Hamburg

Carlos Urban

12. September 2026

westend61 | envato.com

Wie entsteht freimaurerische Wirklichkeit – und was hält eine Gemeinschaft zusammen, die sich wesentlich über Rituale, Symbole und gemeinsame Erfahrungen definiert? Der Philosoph Klaus-Jürgen Grün nähert sich diesen Fragen mit einem ungewöhnlichen Instrumentarium: der Systemtheorie. Am 20. Oktober stellt er seine Überlegungen bei einem öffentlichen Vortragsabend der Forschungsloge Quatuor Coronati in Hamburg vor.

Unter dem Titel „Der innere Bund und die Außenwelt – Eine systemtheoretische Philosophie der Freimaurerei“ spricht Prof. Dr. Klaus-Jürgen Grün am Dienstag, 20. Oktober 2026, um 19 Uhr im Goethe-Saal des Hamburger Logenhauses in der Welckerstraße 8. Veranstalter ist der Hamburger Zirkel der Forschungsloge Quatuor Coronati. Der Abend richtet sich ausdrücklich nicht nur an Freimaurer und Freimaurerinnen, sondern ist allgemein öffentlich. Der Eintritt ist frei, um einen Beitrag zu den Kosten wird gebeten.

Freimaurerei mit den Mitteln der Systemtheorie betrachtet

Grün wählt für sein gleichnamiges Buch einen Zugang, der sich von vielen klassischen Betrachtungen der Freimaurerei unterscheidet. Nicht ihre Geschichte, ihre philosophischen Ideale oder mögliche religiöse Bezüge stehen im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Freimaurerei als soziales System funktioniert und sich selbst erhält.

Dabei greift Grün auf die Systemtheorie Niklas Luhmanns zurück. Besonders die freimaurerischen Rituale erscheinen aus dieser Perspektive nicht lediglich als überlieferte Formen oder symbolische Inszenierungen. Sie schaffen einen besonderen sozialen Raum, in dem Gemeinschaft hergestellt, bestätigt und immer wieder neu erlebt wird. Die Freimaurerei lässt sich so als ein System betrachten, das durch seine eigenen Kommunikationsformen und Rituale seine Wirklichkeit erzeugt und stabilisiert.

Das eröffnet zugleich Fragen, die weit über eine theoretische Betrachtung hinausreichen: Was geschieht, wenn sich Rituale verändern? Welche Rolle spielt die Abgrenzung zwischen dem „inneren Bund“ und der gesellschaftlichen Außenwelt? Und wie viel Veränderung verträgt ein System, ohne seine Identität zu verlieren?

Gerade in einer Zeit, in der viele Logen über Tradition, gesellschaftliche Wahrnehmung und die Weiterentwicklung der Freimaurerei diskutieren, dürfte dieser Blick von außen auf die inneren Mechanismen des Bundes einigen Gesprächsstoff bieten.

Philosoph zwischen Aufklärung und Gegenwart

Klaus-Jürgen Grün, Jahrgang 1957, ist promovierter Philosoph und außerplanmäßiger Professor an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Nach einer ersten beruflichen Laufbahn in der chemischen Industrie studierte er Philosophie, Geschichte und Mathematik und habilitierte sich 1999. Neben seiner akademischen Arbeit ist er seit vielen Jahren in ethischen und freimaurerischen Zusammenhängen tätig.

Sein Buch „Der innere Bund und die Außenwelt – Eine systemtheoretische Philosophie der Freimaurerei“ erschien 2025 im Salier Verlag und umfasst 352 Seiten.

Veranstaltung

Dienstag, 20. Oktober 2026, 19 Uhr
Logenhaus Hamburg, Goethe-Saal
Welckerstraße 8, 20354 Hamburg

Der Vortrag ist öffentlich. Der Eintritt ist frei; vor Ort wird um eine Spende als Beitrag zu den Kosten gebeten.

Um Anmeldung wird gebeten bei der Geschäftsstelle der Forschungsloge Quatuor Coronati unter gs@quatuor-coronati.de.

Quelle: https://quatuor-coronati.de/veranstaltung/

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