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Was bedeutet es eigentlich, wenn Freimaurer von der Arbeit an sich selbst sprechen? Vom 9. bis 11. Oktober 2026 lädt die Forschungsloge Quatuor Coronati zu ihrer Herbst-Arbeitstagung nach Erlangen ein. Im Mittelpunkt steht damit eine Frage, die zum Kern freimaurerischen Selbstverständnisses gehört – und die durchaus neu gestellt werden kann.
Der raue Stein gehört zu den bekanntesten Symbolen der Freimaurerei. Gemeint ist der Mensch selbst – mit seinen Eigenheiten, Stärken, Schwächen und Möglichkeiten. An ihm soll gearbeitet werden. Das Ziel wird häufig mit einem großen Wort beschrieben: Vervollkommnung. In der Frage, was das heute bedeutet, liegt ein Reiz des Themas, mit dem sich die Forschungsloge Quatuor Coronati bei ihrer Arbeitstagung vom 9. bis 11. Oktober 2026 in Erlangen beschäftigt. Die Forschungsloge selbst stellt den Zusammenhang zwischen Vervollkommnung, der Arbeit am rauen Stein und dem eigentlichen Zweck freimaurerischer Arbeit her.
„Vervollkommnung“ kann zunächst verdächtig nach einem unerreichbaren Ideal klingen. Nach einem Menschen, der seine Fehler nach und nach beseitigt, bis irgendwann nur noch ein wohlgeformter Stein übrigbleibt. Doch schon die Vorstellung einer endgültig abgeschlossenen Persönlichkeitsentwicklung widerspricht der Idee eines lebenslangen Arbeitens an sich selbst. Geht es darum, sich einer vorgegebenen Norm anzupassen? Soll der Freimaurer durch seine Arbeit einem bestimmten Idealtypus immer ähnlicher werden? Oder bedeutet Vervollkommnung gerade das Gegenteil: die eigenen Möglichkeiten zu erkennen, Urteilsfähigkeit zu entwickeln und zu einer selbstbestimmten Persönlichkeit zu werden?
Selbsterkenntnis statt Selbstoptimierung
Das gilt umso mehr in einer Zeit, in der „Arbeit an sich selbst“ kein ausschließlich philosophisches Thema ist. Selbstoptimierung gehört zum Alltag. Menschen messen Leistung, Schlaf, Bewegung, Ernährung und Konzentration. Coaching, Achtsamkeit und Persönlichkeitsentwicklung sind zu Märkten geworden. Beruf und Gesellschaft verlangen Flexibilität, Lernbereitschaft und permanente Weiterentwicklung. Die alte freimaurerische Aufforderung zur Arbeit am rauen Stein hat damit wenig zu tun: Zwischen Selbstvervollkommnung und Selbstoptimierung besteht ein wesentlicher Unterschied. Der optimierte Mensch soll und will leistungsfähiger werden. Der sich bildende Mensch fragt dagegen zunächst, wer er sein und wie er leben möchte. Freimaurerische Arbeit kann dort interessant werden, wo sie sich dem Zwang zur ständigen Verwertbarkeit entzieht. Der Spitzhammer ist damit kein Werkzeug, mit dem der Mensch sich für fremde Erwartungen passend schlägt. Er ist ein Symbol für Selbsterkenntnis, Urteilskraft und die bewusste Entscheidung, an bestimmten Eigenschaften zu arbeiten.
Ein traditionsreicher Ort
Gastgeber ist die Vereinigte Freimaurerloge „Libanon zu den 3 Cedern“ in der Universitätsstraße 25. Die Erlanger Loge wurde bereits 1757 gegründet und zählt damit zu den ältesten Vereinigungen der Stadt. Ihre Geschichte spiegelt zugleich einen Teil deutscher Freimaurergeschichte wider. Während der nationalsozialistischen Verfolgung wurde das Logenhaus, wie alle anderen, beschlagnahmt, aber ausgerechnet zu einem propagandistischen „Freimaurer-Museum“ umfunktioniert. Ende 1946 wurde die Loge wiedergegründet. Wenn heute dort über die Entwicklung des Menschen und freimaurerische Vervollkommnung nachgedacht wird, geschieht dies also an einem Ort, an dem Tradition nicht nur aus ungebrochener Kontinuität besteht.
Forschung nicht nur über die Vergangenheit
Freimaurerische Forschung wird häufig zuerst mit historischen Dokumenten, berühmten Mitgliedern, Ritualgeschichte oder der Entstehung einzelner Lehrarten verbunden. Forschung kann aber ebenso untersuchen, was überlieferte Begriffe heute bedeuten. Begriffe und Symbole ziehen ihren Wert nicht aus ihrem Alter oder aus Traditionen. Sie behalten Bedeutung, wenn Menschen mit ihnen noch etwas anfangen können – und wenn sie bereit sind, ihre bisherigen Deutungen gelegentlich auf den Prüfstand zu stellen. Der raue Stein bietet dafür reichlich Material. Vielleicht besteht seine Aktualität sogar darin, dass er keine fertige Antwort liefert.
Arbeitstagung der Forschungsloge Quatuor Coronati
9. bis 11. Oktober 2026
Vereinigte Freimaurerloge „Libanon zu den 3 Cedern“, Universitätsstraße 25, 91054 Erlangen
Weitere Informationen und Anmeldung bei der Forschungsloge Quatuor Coronati.
Die Veranstaltung kann auch von Nichtmitgliedern besucht werden.






